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Die Tuberkulose ist eine der bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit. Sie steht an 10. Stelle aller zum Tode führenden Erkrankungen. Die Hauptmanifestation ist die Lungentuberkulose, aber auch andere Organe, z. B. das Rippenfell, die Hirnhäute, oder Knochen können betroffen sein.

Während im Jahr 2013 noch ca. 9 Millionen Menschen auf der Erde an der Tuberkulose erkrankt sind, ist diese Infektionskrankheit in Deutschland und anderen Ländern Westeuropas selten geworden. Zuletzt wurden jedes Jahr weniger als 5000 Fälle einer Tuberkulose-Neuerkrankung in Deutschland registriert.

Die Elimination der Tuberkulose in Deutschland wäre wahrscheinlich ein naheliegendes Ziel, wenn nicht in den vergangenen Jahren ein dramatischer Zuwachs der Anzahl von Patienten mit  multiresistenter (engl. multidrug-resistant, MDR) und extensiv-resistenter (engl. extensively drug-resistant, XDR) Tuberkulose zu verzeichnen wäre. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass 480.000 neue M/XDR-Tuberkulose-Fälle im Jahr 2013 auftraten. Nur ein kleiner Teil dieser Fälle wurde allerdings tatsächlich gemeldet und ein noch kleinerer Anteil wurde tatsächlich adäquat behandelt.

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Die meisten Patienten mit einer M/XDR-Tuberkulose leben im Osten der WHO Region Europa. Seit 2005 hat sich die Zahl der gemeldeten MDR-Tuberkulose-Fälle in der WHO-Region Europa verachtfacht. In Deutschland sind nur 2% aller gemeldeten Tuberkulose-Patienten mit einem M/XDR-Erreger infiziert. Bis auf wenige Ausnahmen stammen die in Deutschland behandelten Patienten aus Ländern, in denen die M/XDR-Tuberkulose viel häufiger vorkommt. In einigen osteuropäischen Nachbarländern der EU, wie zum Beispiel Weißrussland oder der Republik Moldawien, liegt der Anteil von Patienten mit einer M/XDR-Tuberkulose an der Gesamtzahl der Tuberkulosepatienten bei 25-50%.

Die Brisanz der M/XDR-Tuberkulose wird durch die eingeschränkten Therapiemöglichkeiten deutlich. Ergebnisse neuerer Untersuchungen belegen, dass die Heilungschancen bei der M/XDR-Tuberkulose nur bei ca. 40-65 % liegen. Die verfügbaren Zweitlinien-Medikamente sind mit häufig auftretenden und bisweilen schwerwiegenden Nebenwirkungen assoziiert und weniger effektiv als die Erstlinien-Medikamente. Im Gegensatz zu den 6 Monaten bei unkomplizierten Tuberkulosefällen, empfiehlt die WHO derzeit eine Therapiedauer von min. 20 Monaten für die Behandlung von Patienten mit einer M/XDR-Tuberkulose. Die Therapie wird nicht nur durch hohe Kosten kompliziert, sondern fordert von allen Beteiligten (Patienten, Ärzte, Gesundheitssystem) viel Flexibilität.

Für die stationäre und ambulante Behandlung von Patienten mit einer M/XDR-Tuberkulose ist eine besondere Expertise notwendig.